Aktuelles
Sprachliche und kulturelle Diversität sind Merkmale einer von der Globalisierung geprägten Gesellschaft. An Österreichs Schulen erstreckt sich das vorhandene sprachliche Potenzial von Deutsch über die anerkannten Minderheitensprachen und die Österreichische Gebärdensprache bis hin zu anderen Erstsprachen als Deutsch (z. B. Bosnisch/Kroatisch/Serbisch, Türkisch) und den sog. Fremdsprachen, wie z.B. Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Russisch. Im Pflichtschulbereich haben mehr als 20% der Schüler/innen eine andere Erstsprache als Deutsch. In Wien sind es über 50%. Die mehrsprachige und multikulturelle Schule ist in Österreich also längst Realität.
In einem Europa, das so stark von der Globalisierung geprägt ist, sind Mehrsprachigkeit und interkulturelle Fähigkeiten zentral für die Wettbewerbsfähigkeit, den sozialen Zusammenhalt und damit auch für den gesellschaftlichen Frieden. Auf individueller Ebene stellen Kompetenzen in mehreren Sprachen sowie im Umgang mit Menschen anderer kultureller Herkunft nicht nur eine persönliche Bereicherung dar, sondern haben sich auch als wichtige Kriterien für schulischen und vor allem beruflichen Erfolg herauskristallisiert. In Österreich – wie in Europa – ist die Schaffung von Rahmenbedingungen, damit Kinder, Jugendliche und Erwachsene die dazu benötigten Kompetenzen entwickeln, das Ziel einer zukunftsorientierten Sprachen- und Bildungspolitik.
Österreich beteiligt sich seit den 1980er Jahren sehr engagiert an der Entwicklung und Umsetzung sprachenpolitischer Projekte und Innovationen auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene. Einen Meilenstein auf diesem Weg bildet die Einrichtung des Europäischen Fremdsprachenzentrums des Europarates in Graz, das im Jahr 1994 als Initiative von acht Ländern – darunter Österreich – gegründet wurde. Im Juli 2010 wurde mit einem Festakt das 15-jährige Bestehen dieses Zentrums in Graz gefeiert, das mit 34 Mitgliedsstaaten heute das erfolgreichste Teilabkommen des Europarates darstellt und sich zu einer gesamteuropäischen Spracheninstitution mit enger Vernetzung zur EU entwickelt hat.
Ein weiterer Schritt zur Förderung von Mehrsprachigkeit und Sprachenvielfalt wurde vom BMUKK in Kooperation mit dem BMWF und dem Österreichischen Sprachen-Kompetenz-Zentrum (ÖSZ) durch den Language Education Policy Profiling (LEPP)-Prozess, einen sprachenpolitischen Strategieentwicklungsprozess des Europarates, gesetzt. Im Vordergrund standen dabei die Themen frühes Sprachenlernen, Kontinuität beim Sprachenlernen, Lehrer/innenbildung, Deutsch als Erst- und Zweitsprache sowie Erstsprachen von Migrant/inn/en, aber auch Minderheitensprachen und bilingualer Unterricht. Als Ergebnisse dieses mehrjährigen Entwicklungsprozesses liegen nun eine Analyse der Sprachensituation in Österreich in Form eines Länderberichts sowie Empfehlungen in Form eines Länderprofils vor, die als Grundlage für die sprachenpolitische Weiterarbeit dienen.
Sprache ist ein Schlüssel zu Bildung. Ein neues Konzept der frühen sprachlichen Förderung im Kindergarten, wie es im Schuljahr 2007/08 eingeführt wurde, leistet daher einen wichtigen Beitrag zu fairen und gleichwertigen Startbedingungen beim Schuleintritt und bildet ein zentrales Anliegen der Bildungspolitik. Nähere Informationen zur frühen sprachlichen Förderung bietet die Website sprich-mit-mir.
Von besonderer Bedeutung sind darüber hinaus die Weiterentwicklung der Unterrichtsqualität im Sinne eines kompetenzorientierten und qualitätsgesicherten Sprachenlernens sowie die damit verbundene Weiterentwicklung der Aus-, Fort-/Weiterbildung der Lehrkräfte nach qualitativen Gesichtspunkten. Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen (GERS) zur Beschreibung der Fremdsprachenkompetenzen der Lernenden bildet die Grundlage für viele methodisch-didaktische Innovationen. Als Beispiel sei hier das Europäische Sprachenportfolio (ESP) genannt. In engem Zusammenhang mit dem GERS stehen auch die Bildungsstandards für Englisch auf der 8. Schulstufe bzw. die Kompetenzbeschreibungen für weitere Fremdsprachen und die standardisierte, kompetenzorientierte Reifeprüfung. Wichtige Kooperationspartner für das BMUKK in diesem Bereich sind u.a. das ÖSZ, das Center für berufsbezogene Sprachen (CEBS) und das Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung (BIFIE). Die Websites dieser Institutionen bieten umfassende Informationen sowie Materialien zu den genannten Themen.
Jene Sprachen, die Kinder und Jugendliche mit anderen Erstsprachen als Deutsch in das österreichische Bildungssystem einbringen, stellen ein großes Potenzial für Mehrsprachigkeit und Sprachenvielfalt dar. Um dieses Potenzial weiterzuentwickeln, bedarf es der sprachlichen Förderung dieser Kinder und Jugendlichen – sowohl was die Erstsprache, als auch was die Unterrichtssprache Deutsch betrifft. Weiterführende Informationen und Links bietet die Website Schüler/innen mit anderen Erstsprachen als Deutsch.
Innovative und beispielhafte Initiativen zum Thema Mehrsprachigkeit und Sprachenvielfalt werden unter anderem auch im Zuge des Europäischen Tags der Sprachen (ETS) , der Langen Nacht der Sprachen, des Spracheninnovationsnetzwerks (SPIN) und des Wettbewerbs Europäisches Spracheninnovationssiegel (ESIS) gesetzt, an denen jährlich zahlreiche österreichische Bildungseinrichtungen aktiv und engagiert teilnehmen.
Das ÖSKO ist eine vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK) in Kooperation mit dem Österreichischen Sprachen-Kompetenz-Zentrum (ÖSZ) und unter Einbindung des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung (BMWF) eingerichtete, partizipative sprachenpolitische Plattform.
Detailinformationen zum Österreichischen Sprachenkomitee
Zur Weiterentwicklung, Umsetzung und Dissemination sprachenpolitischer Projekte und Innovationen leisten u.a. folgende Einrichtungen in Österreich bzw. mit Sitz in Österreich einen substantiellen Beitrag (Auswahl):
Die seitlich und unten angeführten Links bieten eine Zusammenstellung von ausgewählten Einrichtungen, Schwerpunktthemen, Initiativen und Unterrichtsmaterialien in den Bereichen Mehrsprachigkeit, Sprachenvielfalt und Sprachenlernen.
Wenn Sie Fragen oder Anregungen haben bzw. weitere Informationen wünschen, wenden Sie sich an:
Dr. Muriel
Warga-Fallenböck, BMUKK, I/5b: „Sprachenpolitische Koordination"
Mag. Karin Markut, BMUKK, I/5b: „Sprachenpolitische
Koordination"
Christian Dürr, BMUKK,
I/5b: „Sprachenpolitische Koordination" (Teamassistenz)
Geändert am 20.04.2012